Helicon Focus 4.2.1

Franz Szabo

April 2010


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Der Kampf mit der fehlenden Schärfentiefe im Nahbereich ist jedem Naturfotografen bekannt. Er kann in gewisser Weise gewonnen werden, wenn man digitale Bridge-Kameras verwendet, die einen sehr kleinen Sensor besitzen, der naturgemäß hohe Schärfentiefe erzeugt. Die Canon PowerShot S2 IS liefert zum Beispiel hervorragende Ergebnisse im Makrobereich. Allerdings wird dann der entfernt liegende Hintergrund auch schärfer als oft für die Bildkomposition erwünscht. Welche Möglichkeiten hat also ein Digitalfotograf, wenn er eine Spiegelreflexkamera im Makrobereich mit möglichst hoher Schärfentiefe verwenden möchte? Er blendet sehr stark ab: Dann verliert er Schärfe aufgrund von Beugungsproblemen an der Kante der Blendenlamellen - meist ab und inklusive Blende 16. Er verwendet ein Makro-Shift-Objektiv, wie das hervorragende 85mm PC Micro Nikkor, um die Schärfeebene optimal nach Scheimpflug in die scharf sein sollenden Bereiche zu legen. Das ist eine relative zeitaufwändige Angelegenheit und der Fotograf verliert die automatische Blende – zumindest bei dem älteren Exemplar. Außerdem erhöht diese Vorgangsweise nicht die Schärfentiefe, sondern plaziert nur eine optimale Lage der Schärfenebene.

Doch digitale Bildbearbeitung liefert für die Lösung dieses Problems hervorragende Werkzeuge! Die Technik heißt Focus-Stacking und kombiniert mehrere Fotos, auf denen unterschiedliche Bereiche eines Fotos scharf sind, zu einem Bild höherer Schärfentiefe. Eines der besten Programme für diesen Zweck ist Helicon Focus 4.2.1. Die einfache und schnelle Arbeit mit diesem Programm werde ich an folgendem Beispiel eines Pilzfotos demonstrieren. Bei den beiden Fotos des Pilzes liegt einmal die Schärfe auf dem Hut und das andere Mal auf dem so schön zu sehenden Myzel am unteren Rand des Fußes. Ein Problem, das in der Pilzfotografie dauernd vorkommt, wenn Hutrand und Stiel gleichzeitig scharf abgebildet werden sollen.

Die Arbeitsweise ist einfach: Die beiden Fotos mit unterschiedlichen Schärfebereichen werden in Helicon Focus 4.2.1 geladen. Wichtig ist, dass sie ohne weitere Verstellung des Bildausschnittes vom Stativ aus aufgenommen wurden. Am besten durch Verschiebung auf einem Einstellschlitten, wie ihn zum Beispiel Novoflex anbietet. Es funktioniert bei einfachen Motiven aber auch durch Fokussieren auf unterschiedliche Bereiche, wie bei diesem Pilzmotiv. Wie der rote Pfeil zeigt, liegt die Schärfe beim ersten Foto unten auf dem Myzel.

Helicon Focus 4.2.1 / Schärfe auf Myzel

Beim zweiten Foto, das in Helicon Focus 4.2.1 geladen wird, liegt der Schärfebereich, wie der rote Pfeil zeigt, oben auf dem Hut. Die beiden Fotos wurden übrigens bei Blende 16 geblitzt. Jene Blende, bei der gerade noch tolerierbare Beugungsverluste beginnen, die Detailschärfe zu verringern.

Eye Candy 6 /Glas Filter mit Reflexion

Wer es besonders einfach möchte, klickt jetzt nur mehr auf den Knopf zum Rendern und wartet auf das Ergebnis, das in diesem Fall bereits bestens zu gebrauchen ist. Da es sich aber um ein Motiv mit vielen feinen Strukturen handelt, verringerte ich den Radius - siehe roter Pfeil rechts unten - von "8" auf "5". Es empfiehlt sich, je nach Motiv unterschiedliche Methoden und Werte durchzuspielen, um Gefühl für die Technik zu entwickeln. Wie durch ein "Wunder" - hinter dem aber jede Menge von Mathematik steckt - erscheinen jetzt Hut und Myzel - siehe rote Pfeile - scharf!

Eye Candy 6 / Small spirals

Das Ergebnis optimieren wir noch im Photoshop und holen mit "Tiefen/Lichter..." mehr Details aus den hellen Bereichen in Kopf und Stiel sowie den dunklen Bereichen im Stamm heraus. Nachschärfen bleibt einem späteren Schritt überlassen und sollte dem Ausgabezweck angepasst werden. Schön ist, wie das Moos im Hintergrund in relativer Unschärfe - Blende 16! - bleibt, was bei einer Kamera mit kleinem Sensor nicht so möglich gewesen wäre.

Eye Candy 6 / Small spirals

Fazit: Mit Helicon Focus 4.2.1 lassen sich in hervorragender Weise zwei oder mehr Fotos mit unterschiedlichen Schärfenebenen zu einem Foto mit Superschärfentiefe kombinieren. Das funktioniert sowohl im Makrobereich, wie auch in der Architektur- oder Landschaftsfotografie. Bei problematischen Motiven muss sich der Anwender mit Retuschearbeiten helfen. Die Software bitete dafür einen Klon-Pinsel. Für dieses Beispiel habe ich JPEGs verwendet, wie sie aus der Nikon D5000 kamen, wer höhere Qualität benötigt, kann auch direkt mit dem RAW-Format arbeiten.

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