RAW-Entwicklung mit DxO Optics Pro 8, Capture One 7 und Lightroom 4.2

Franz Szabo

November 2012


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Wer im RAW-Format fotografiert, muss seine digitalen "Negative" entwickeln. Dazu benötigt man spezielle Software. Die drei in der Überschrift angeführten Programme zeichnen sich durch besonders hohe Qualität aus und haben sich an die Spitze der Beliebtheit gesetzt. Liest man dazu Diskussionen im Internet, die sich leider oft durch mangelnde Qualifikation, geringes Wissen und beleidigende Besserwisserei auszeichnen, gerät man schnell in Zweifel, mit welcher Software am besten zu arbeiten sei. Darum kurz: Lightroom 4.2 zeichnet sich durch hohe Qualität und günstigen Preis aus, er vereint als Universalwerkzeug die wichtigsten Funktionen einer Bilddatenbank, einer Entwicklungsmaschine und eines universellen Weiterverarbeitungs-Werkzeuges. DxO Optics Pro 8 hat sich zum Spitzenwerkzeug für jene Anwender entwickelt, die präzise Optimierung und Fehlerbehebung ihrer ganz speziellen Objektiv-Kamera-Kombination suchen und gerne viele Fotos in einem Aufwaschen hochqualitativ bearbeiten lassen. Capture One 7 ist das professionelle Werkzeug für Mittelformatfotografie, dem viele Anwender nachsagen, dass es die besten Ergebnisse liefert. Die Version 7 wurde mit einer neuen, nochmals verbesserten RAW-Entwicklungsengine ausgestattet. Somit sind wir bereits beim kritischen Punkt angelangt: Was heißt "beste" bei RAW-Entwicklung? Bezieht sich das auf den Weißabgleich, die Schärfe, den Tonwertreichtum, das Herauskitzeln von Schatten- und Lichtdetails, das Entrauschen, die Beseitigung von chromatischer Aberration und Vignettierung, oder all das und noch viel mehr?

Wie weit kann RAW-Entwicklung überhaupt objektiv vergleichbar sein, unterliegt sie nicht besonders stark dem subjektiven Geschmack und der Art des Bildmotivs? Kann man RAW-Entwicklung für Landschaft, Akt, Available Light, Architektur, Portrait und Stillleben denn über einen einzigen Leisten schlagen? Ich werde in diesem Artikel das Thema Stillleben behandeln, da ich mich seit einigen Jahren intensiv damit auseinandersetze und viel Erfahrung bei der RAW-Entwicklung und Weiterbearbeitung der digitalen Fotos zu diesem speziellen Thema gesammelt habe. Meiner bescheidenen Meinung nach bedeutet RAW-Entwicklung vor allem subjektive Gestaltungsarbeit, die in vielen Faktoren nicht viel weniger dem persönlichen Geschmack entspricht, als früher die Dunkelkammerarbeit. Die fünf Ausgangsfotos dieses Artikels wurden mit der Nikon D800 und dem Nikon AF-S Zoom-Nikkor 24-70mm 1:2,8G ED bei Blende 16 erstellt. Fünf Fotos deshalb, weil ich mit Focus Stacking arbeite und fünf unterschiedliche Schärfeebenen von ganz vorne bis hinten fotografiere, die nach der RAW-Entwicklung mit Zerene Stacker zu einem durchgehend scharfen Bild verrechnet werden. Auch die flämischen Maler des 17. und 18. Jahrhunderts malten ihre Bilder mit durchgehender Schärfentiefe, dieser Idee folge ich. Das so entstehende 16-Bit TIFF wird mit Photoshop final bearbeitet. Das heißt, zuerst mit Uwe Steinmüllers Skript DOP_DetailExtractor_V2 optimiert und dann mit Hilfe von Ebenen und Masken meinen subjektiven Vorstellungen entsprechend bearbeitet. Meistens betrifft das die malerische Helligkeitsverteilung und partielle Beeinflussung der Farben.

Adobe Lightroom

Entwicklung mit Adobe Lightroom 4.2. Die roten Pfeile weisen auf die hauptsächlich veränderten Regler hin. Generell habe ich die Belichtung zurückgenommen, den Weißabgleich etwas wärmer gestellt, die Zeichnung in den Lichtern verbessert, Schärfung auf "50" gestellt, Klarheit und Dynamik maßvoll erhöht und mit CameraNeutral weichere Tonwertverteilung mit geringerem Kontrast erzielt. Das entspricht so ziemlich meiner Lightroom Entwicklungs-Standardeinstellung für weiches Schlechtwetterlicht in meinem Fotoatelier.

DxO Optics Pro

Entwicklung mit DxO Optics Pro 8. Ich habe die Belichtung ein wenig zurückgenommen, den Weißabgleich auf etwas wärmer gestellt, als es der Kameraautomatik entspricht, den Mikrokontrast, Vibrancy und Sättigung maßvoll erhöht und sonst die meisten automatischen Korrekturen der Software unbeeinflusst ihren Segen ausbreiten lassen.

Capture One

Entwicklung mit Capture One 7. Ich zeige hier links die Korrekturpalette für Belichtung und Tonwerte. Auch hier wurden Belichtung und Helligkeit gering reduziert, Spitzlichter und Schatten verbessert. Hätte ich an der Kamera die Belichtungskorrektur auf -2/3 statt -1/3 gestellt, wären die Belichtungskorrekturen in den RAW-Entwicklern wahrscheinlich nicht nötig gewesen. Das Histogramm zeigt, dass ich die Tonwertkurve ein wenig nach unten gezogen habe, um den Bildeindruck etwas kraftvoller zu gestalten. Dadurch sind aber die Schatten ein wenig zu dunkel geworden. Ich werde sie später im Photoshop optimieren. Auch den Weißabgleich habe ich wieder wärmer getönt. Bei allen drei Programmen durch Anwendung der Pipette auf die hellste Stelle des Maisstrohs. (Siehe roter Pfeil rechts.)

Adobe Lightroom

Alle entwickelten RAW-Dateien werden als 16-Bit TIFFs gespeichert. Ich zeige sie hier nochmals im Vergleich.

Zerene Stacker

Hier erfolgt die Berechnung der durchgehenden Schärfe mit Zerene Stacker. Links eines der fünf Ausgangsbilder, rechts das durchgehend scharfe Ergebnis. Wenn man ein statisches Motiv fotografiert, bei dem es zwischen den Einzelbildern keine Bewegung gibt, muss der Anwender keine Retusche ausführen. Aber Achtung, bereits ein müde sinkendes Blatt in einem Blumenstrauß erzeugt eine Doppelkontur und kann Retusche bedingen!

Adobe Lightroom

Alle mit Zerene Stacker durchgehend scharf gerechneten 16-Bit TIFFs wieder im Vergleich. Die Tonwertverteilung wurde durch die Verarbeitung etwas weicher, weil ich den vollen dynamischen Umfang der fünf Einzelbilder mit einbezogen habe. Diese Eigenschaft von Zerene Stacker kann man mit Erfahrung bei der vorherigen RAW-Entwicklung bereits berücksichtigen.

Adobe Photoshop

Zum Vergleich jetzt eine vergrößerte Darstellung im Photoshop. Die Capture One Entwicklung links oben hat noch immer tiefere Schatten - wie man im linken oberen Bildteil sehen kann – mit etwas weniger Zeichnung, punktet aber mit ein wenig kraftvolleren Farben. Achtung, das hat absolut nichts mit der Qualität zu tun – es handelte sich dabei um meine individuelle Entwicklungseinstellung!

DOP_DetailExtractor_V2

Jetzt lassen wir im Photoshop CS5 für jedes der drei TIFFs Uwe Steinmüllers hervorragendes Skript DOP_DetailExtractor_V2 laufen. Es schärft, erhöht den Mikrokontrast und holt Details aus Lichtern und Schatten.

Adobe Photoshop

Nach Steinmüllers Skript wieder der Vergleich. Capture One, ganz links, wirkt noch immer kraftvoller, weist nun aber auch genügend Zeichnung in den Schattenpartien auf. Die anderen beide wirken so für meinen Geschmack etwas zu flach.

Adobe Photoshop

Nun die Endbearbeitung mit Photoshop CS5. Die Lightroom-Version des Stilllebens erhält etwas mehr Punch durch leichtes Ziehen nach unten an der Gradationskurve. (Siehe roter Pfeil rechts.)

Adobe Photoshop

Selbiges passiert mit der DxO-Version. (Siehe roter Pfeil rechts.)

Adobe Photoshop

Die Capture One-Variante lassen wir unverändert.

Adobe Photoshop

Was mir in diesem Vergleich auffällt, dass die Capture One-Variante ganz links im Vergleich zur Lightroom-Variante in der Mitte ein wenig brillanter und strukturreicher wirkt. (Siehe rote Pfeile.) Die DxO-Variante rechts liegt ungefähr in der Mitte der beiden anderen Ergebnisse.

Adobe Photoshop

Ein allerletzter Vergleich mit dem Webgobelin im Hintergrund in der 100-Prozent Ansicht.

Franz Szabo Stillleben

Zum Finish als Belohnung für die Geduld der geneigten Leser nun das "Siegerbild" mit Capture One 7.
Fazit:
Nur relativ geringe Unterschiede in der Qualität der RAW-Entwicklung zeigen die drei Spitzenreiter Adobe Lightroom 4.2, DxO Optics Pro 8 und Capture One 7 bei diesem Fotobeispiel. Man sollte aber nicht vergessen, wie groß der subjektive Einfluss des Menschen auf die Unzahl von Reglern ist, mit denen das Ergebnis erzielt wird. In meinem Stillleben, mit den von mir gewählten Entwicklungseinstellungen, liegt Capture One einen Hauch vor DxO Optics Pro, Lightroom an dritter Stelle.

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